Wildkräuter-Jagd – Einfach Hausgemacht

Auf Kräuterjagd mit dem Kräuterkauz… eine Reportage mit vielen Bildern und 6 Rezepten in der „Einfach Hausgemacht“ 3-2016… und hier:

Die kleinen Wilden

Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein, klare Frühlingsluft, leichter Wind. Vor uns erstreckt sich die Eifel – sanfte Hügel, Wiesen und Wälder. Ruhe. Wir stehen auf einer Wiese und haben einen Auftrag: Wildkräuter sammeln für einen Wiesen-Tee und für das Abendessen. Wir, das ist eine Gruppe von 4 Erwachsenen und einem Kleinkind, die hier und jetzt an einem „Wildkräuterwochende“ teilnimmt. Ratlosigkeit und Skepsis liest man vorübergehend in den Gesichtern. Wildkräuter? – Man sieht ja nur hohes Gras! Ob das, was da unten wächst, wirklich schmeckt?

Doch glücklicherweise gibt es den „Kräuterkauz“, alias Diego Gardón und Daniel Baer. Die beiden werden uns in den nächsten zwei Tagen für die wunderbare Welt der essbaren Wildkräuter begeistern. Zufrieden streifen sie in der Frühlingssonne über die Wiese, unaufgeregte Typen Mitte 30, Wanderschuhe, lange Haare, und auf den ersten Blick sympathisch. Was wir jetzt sammeln könnten? – Hier haben wir Löwenzahn, dort ­die Schafsgarbe und da den roten Klee… dahinten Gundermann und Gänseblümchen, dort den Spitzwegerich… und hier Frauenmantel! Daniel und Diego finden immer mehr. Und langsam schärft sich auch unser Blick.

Seit 2013 organisieren die beiden „Kräuterkauze“ kulinarische Kräuterwanderungen in einem Naturschutzgebiet am Kölner Stadtrand und Kräuterwochenenden in der Eifel. Diego stammt aus Buenos Aires und ist Künstler und Kräuterpädagoge. Daniel ist gelernter Koch und Landschaftsgärtner und sammelte schon als Kind mit seinen Eltern Kräuter. Beide sind fasziniert von den Schätzen der Natur und begeistert davon, was man daraus zubereiten kann. Ihr Ziel ist es, die Menschen für die wilden Leckereien zu sensibilisieren, die abseits von industriell hergestellten Nahrungsmitteln und Treibhausgemüsen in der Natur zu finden sind.

Das gelingt Diego und Daniel scheinbar mühelos. Denn ein wesentlicher Bestandteil ihrer Seminare ist der Genuss, das gemeinsame Kochen und Essen. Deshalb ist der erste Tagesordnungspunkt ihrer Seminare ein ausgedehntes Kräuter-Buffet mit allerlei selbstgemachten Kräuterkauz-Spezialitäten: Neben einem Kräutertrunk, gibt es selbstgemachten Fichtennadel-Honig und eingelegte Cornelkirschen, Brennessel-Frittata, Anti Pasti aus Spitzwegerich- und Löwenzahnknospen außerdem Knoblauchrauke-Pesto und Salat aus Bärenklau. Und deshalb gibt es jetzt auf der Wiese auch erst einmal den versprochenen Tee. Diego packt einen Camping-Gaskocher aus. Wir hocken in der Runde, zupfen alle möglichen Kräuter in die Kanne, Daniel gieß Wasser drauf und nach etwa 15 Minuten nippen wir an einem süß duftenden, grasig frischem Tee. Was für ein Aroma! Und eine willkommene Wärme in der frischen Eifelbrise.

Nach der Teezeremonie streifen wir weiter und finden noch mehr Stars der Wildkräuter-Küche: Wiesen-Bärenklau (nicht zu verwechseln mit dem giftigen Riesen-Bärenklau) und wunderschöne Giersch- und Brennessel-Vorkommen. „Beim Sammeln nehmen wir immer nur die schönen jungen, saftig grünen Blätter,“ erklärt Daniel. „Sie dürfen keine Löcher haben.“ Außerdem sollen wir immer nur soviel sammeln, wie wir brauchen, damit die Bestände nicht überstrapaziert werden. Und bestenfalls sucht man auf nicht bewirtschafteten Wiesen nach Kräutern. Vorsicht sei an Wegrändern geboten, da Hunde und Autoabgase die Kräuter dort ungenießbar machten.

­Nach 2 Stunden ist unser Weidenkorb randvoll. Löwenzahn und Giersch ragen unverschämt an den Seiten heraus. Wir haben Hunger, aber das Abendessen will erst einmal zubereitet werden. Daniel bringt Schneidebretter, Messer, Schüsseln, einen großen Gaskocher samt Pfanne. Am Gartentisch sortieren wir unsere Ernte: verlesen, putzen, zupfen und schneiden. Schnell geht hier nichts, aber am Ende freuen wir uns über unser erstes eigenes Wildkräuter-Menü: eine große Schüssel Wildkräuter-Salat steht auf dem Tisch. Dazu gibt es „selbst geschüttelte“ Wildkräuterbutter, Rahm-Brennnesseln und gebratene Brennnessel-Anti Pasti sowie eine Bärenklau-Pfanne mit Cashewnüssen und Basmatireis.

Zweifel, ob man das, was da unten wächst, essen kann, hat nun niemand mehr. Im Gegenteil dieses selbst gesammelte Abendessen aus frischen Wildpflanzen schmeckt an einem solch kühlen Frühlingsabend unglaublich gut. Die Aromen der wilden Pflanzen sind so intensiv wie man es von keinem Kulturgemüse kennt. Sie verström­en einen herrlichen Duft, haben einen außergewöhnlichen Geschmack und liefern genau die Wärme und Energie, die wir jetzt brauchen. Alle freuen sich auf den nächsten Tag. „Wir werden morgen schauen, was wir im Wald so finden,“ kündigt Diego an. „Und wir werden ein paar Leckereien herstellen, die ihr mit nach Hause nehmen könnt.“

Nach einem weiteren Kräutertag im Wald sind wir voller neuer Eindrücke. Nahezu 20 Kräuter haben wir an diesem Wochenende kennen gelernt – einige davon flüchtig, andere genauer. Einen neuen, kulinarisch geprägten Blick auf das „Unkraut“, das um uns herum so selbstverständlich wuchert, haben wir überdies gewonnen. Und so verabschieden wir uns wehmütig. Im Gepäck haben wir selbstgemachtes Gundermann-Salz, Wildkräuter-Aufgesetzten und würziges Pesto aus Knoblauchrauke. Bis zum nächsten Mal! Und vielen Dank!

Mehr zum Kräuterkauz unter: http://www.kraeuterkauz.de/

und im Blog: http://archiv.elaruether.de/besuch-der-koelner-wildnis/

Teilen: