Ein Atelierbesuch bei der Kölner Porzellankünstlerin Ines Lang.
Ines Lang ist verrückt. Oder sagen wir, sie ist einfach extrem geduldig. Sie brennt englisches Porzellan bei 1260°C. Hauchdünne und zarte Stücke mit durchdachtem Dekor kommen dabei heraus. Porzellan zu brennen, das lerne ich bei Ines, ist ungefähr so, als versuche man ein ganzes Blech perfekter Maccarons zu backen. Man schließt den Ofen, man öffnet ihn und mindestens ein Drittel der Stücke sind nicht ganz so geworden, wie man sich das gewünscht hätte. Die restlichen zwei Drittel, sagt Ines, entschädigen einen immer wieder aufs Neue.
Was passiert, wenn man Dinge aus ihrem Zusammenhang löst und in einen neuen Kontext bringt? Wie wirken Muster und Formen in anderen Räumen? Das sind die Fragen, die Ines Lang sich bei der Arbeit stellt. In Häusern und Räumen, aber auch in der Natur findet die Künstlerin Formen und Muster, die sie in abgewandelter Form auf ihrem Porzellan zeigt. Die daraus entstehenden Arbeiten sind reduziert, klar und durchdacht. Die Dekore der Vasen (unten im Bild) werden vor dem Brennen mit Schellack aufgemalt, anschließend mit Schwamm und Wasser ausgewaschen, so dass eine reliefartige Oberfläche entsteht. Das blaue oder schwarze Dekor (zum Beispiel auf den rechteckigen Tellern unten) zeichnet Ines vor dem Glasieren mit einer Art Stift auf. Ines sagt, sie möchte Dinge sichtbar machen, die man sonst vielleicht gar nicht wahrnimmt. Die Bilder unten sind in der Reihe „Blaupause“ entstanden. Jugendstilkacheln Kölner Hausflure inspirierten sie zu den blauen Linien. Diese sind – anders als die blauen Dekore der anderen Arbeiten – nicht mit einem blauen Stift aufgezeichnet. „Die blauen Linien,“ erklärt Ines, „habe ich tatsächlich mit einer Blaupause aufgetragen. Die Blaupause habe ich mir selbst gemacht, natürlich mit keramischen Farben.“ Hut ab! Das werde ich mir bei nächster Gelegenheit gern ansehen.
Zur Person:
Ines Lang ist gelernte Keramikerin, lebt und arbeitet in Köln, steht für reduziertes Design und spezielles Dekor und freut sich auf Atelierbesuche.
Werdegang:
1973 geboren in Backnang
1991-94 – Ausbildung zur Keramikerin bei H. Bühner-Erdmann, Tübingen
1995-98 – Ausbildung zur Keramikgestalterin an der staatl. Fachschule für Keramikgestaltung, Höhr-Grenzhausen
seit 2000 – eigene Werkstatt in Köln
seit 2005 – Mitglied bei KunstWerk Köln e.V.
Adresse:
Atelier im KunstWerk e.V.
Deutz-Mülheimerstr. 127
51063 Köln
+49179/1364889
kontakt@ines-lang.de
Wunderschön! Nicht nur das Porzellan, auch die Fotos. Danke!
Vielen Dank, Sabine!!!
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